Schusswaffe statt Schutzmaske

18. März 2020

«Wir Deutschen hamstern Klopapier, die Franzosen Rotwein und Kondome. In den USA dagegen hamstert man Schusswaffen.»

So ähnlich leitete heute früh der Moderator des Deutschlandfunks eine Reportage ein aus einem US-amerikanischen Waffengeschäft. Dort gehen zurzeit 40 bis 50 Pistolen oder Sportgewehre pro Tag über den Ladentisch und nicht nur 3 bis 4 wie früher. Die Leute rechnen mit einer massiven Lebensmittelknappheit aufgrund des Corona-Virus und fürchten sich vor plündernden Banden, die in ihre Häuser einbrechen. Eine Frau gebrauchte das Wort Zombie-Apokalypse. Zudem geht die Angst um, das bald das Kriegsrecht ausgerufen und alle Waffen eingezogen würden. Da will man noch ein paar in Reserve haben. Zu den ersten Waffenkäufern sollen übrigens Kunden chinesischer Abstammung gehört haben, aus Furcht, man werde sie für die Krankheit verantwortlich machen.

Dann doch lieber Schiss vor Ansteckung und Klorollen bunkern.

Aktuelles Schusswaffe statt Schutzmaske

18. März 2020

Nennen Sie ein Wort, in welchem dreimal etz vorkommt. Fällt Ihnen keines ein? Bitte sehr: Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ein Wort wie ein Stück Stacheldraht, darum sprechen manche lieber vom Facebook-Gesetz. Weitere Wortzicken sind das Windbürgergeld, das fast wie ein Schimpfwort daherkommt oder aber Bürokratiemonster wie Böllerverbotszone, Erhaltungssatzungsgebiet oder der Datenschutzgrundverordnungsberichterstatter. Zugegeben, der ist mir nur am Radio begegnet, aber das war unverständlich genug. Überhaupt ist das mit dem Verstehen so eine Sache. Als kleines Schweizerlein, das sich seit Jahrzehnten redlich um Klarheit bemüht und stets zum sprachlich grösseren Bruder aufschaut, wundere ich mich manchmal, wie schwer oder gar missverständlich gewisse deutsche Wortschöpfungen sind. Dass ein Datenschutzbeauftragter beauftragt ist, dafür zu sorgen, dass Daten geschützt werden, leuchtet ein. Aber was bitte muss ein Missbrauchsbeauftragter machen? Gänzlich falsch verstehen werden die meisten den Begriff Ankerzentren für Flüchtlinge. Dort können Menschen nicht vor Anker gehen und zur Ruhe kommen. Im Gegenteil, Anker steht für ANKunft, Entscheidung, Rückführung. Abkürzungen sind tückisch. OB steht in Deutschland für Oberbürgermeister. Dabei denkt mehr als die Hälfte der Bevölkerung doch eher an hilfreiche Wattestöpselchen.

In der Schweiz dagegen klingt vieles einfach niedlich, darum wirken wir Schweizer so harmlos. Der deutsche Arbeitgeberpräsident heisst Hundt, bei uns heisst man allenfalls Wuffli. Dort heisst man Hansen, bei uns Hänsli oder bestenfalls Oberhänsli. Und der Rüdiger bringts in der Schweiz höchstens zum Ruedi. Irritierend finde ich, dass die Deutschen auch nach Jahrzehnten noch darauf bestehen, kleine Pelztierchen zum Frühstück zu verzehren. Dabei wissen sie, dass es Müesli heisst, weigern sich aber konsequent, ein e hinter das ü zu setzen. So wie es Basler und Zürcher heissen muss und nicht Baseler und Züricher. Das steht sogar im 1451-seitigen deutschen Wörterbuch namens Wahrig. Trotzdem hält sich in Deutschland keiner daran. Was irgendwie auch wieder etwas Beruhigendes hat.