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Welten

13. Februar 2019

Samstagnacht stapfte ich mit Reis im Haar und Konfetti in der Wäsche recht aufgekratzt aus dem Kino. Ich hatte zum allerersten Mal die «Rocky Horror Picture Show» gesehen, dieses harmlose Jekami-Musical mit dem unverschämt guten Tim Curry in der Hauptrolle.

Am Sonntag stand ich ergriffen und überwältigt in der Ausstellung «Genesis» des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Die Bilder zeigen eine Welt sozusagen im Schöpfungszustand und sind in ihrer Wucht und Schönheit schwer auszuhalten.

Dazwischen las ich Grimmelshausens «Courasche», die Lebensbeschreibung einer Frau im Dreissigjährigen Krieg. In dieser turbulenten Geschichte überschlagen sich die Ereignisse und werden in einer fast unangenehm deftigen Sprache geschildert.

Ein Film, eine Ausstellung und ein Buch, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Drei Welten, und in keiner möchte man sein. Hätte mich das Schicksal im 17. Jahrhundert nach Böhmen verschlagen, ich hätte mich niemals zu behaupten gewusst. Salgados Bilder aus dem hohen Norden oder aus Afrika wecken in mir kein Fernweh. Ich könnte keine dieser Gegenden bereisen, denn ich wäre den Strapazen nicht gewachsen. Mit drei Metallimplantaten im Herzen, zwei Kunststofflinsen in den Augen und einem künstlichen Nagel an Fuss wäre ich Over at Frankenstein Place noch am besten aufgehoben.

Aktuelles Welten

13. Februar 2019

Samstagnacht stapfte ich mit Reis im Haar und Konfetti in der Wäsche recht aufgekratzt aus dem Kino. Ich hatte zum allerersten Mal die «Rocky Horror Picture Show» gesehen, dieses harmlose Jekami-Musical mit dem unverschämt guten Tim Curry in der Hauptrolle.

Am Sonntag stand ich ergriffen und überwältigt in der Ausstellung «Genesis» des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Die Bilder zeigen eine Welt sozusagen im Schöpfungszustand und sind in ihrer Wucht und Schönheit schwer auszuhalten.

Dazwischen las ich Grimmelshausens «Courasche», die Lebensbeschreibung einer Frau im Dreissigjährigen Krieg. In dieser turbulenten Geschichte überschlagen sich die Ereignisse und werden in einer fast unangenehm deftigen Sprache geschildert.

Ein Film, eine Ausstellung und ein Buch, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Drei Welten, und in keiner möchte man sein. Hätte mich das Schicksal im 17. Jahrhundert nach Böhmen verschlagen, ich hätte mich niemals zu behaupten gewusst. Salgados Bilder aus dem hohen Norden oder aus Afrika wecken in mir kein Fernweh. Ich könnte keine dieser Gegenden bereisen, denn ich wäre den Strapazen nicht gewachsen. Mit drei Metallimplantaten im Herzen, zwei Kunststofflinsen in den Augen und einem künstlichen Nagel an Fuss wäre ich Over at Frankenstein Place noch am besten aufgehoben.

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